Geschichte des Klosters, Spiritualität der Oberzeller Schwestern, Auftrag ihrer Gründerin Antonia Werr, romanische und barocke Architektur sowie Stuckarbeiten aus der Werkstatt von Antonio Giuseppe Bossi: Viele Einzelaspekte erwarten die Besucherinnen und Besucher der Führung am Sonntag, 13. September, um 15 Uhr im Kloster Oberzell. Schwester Margit Herold nutzt den bundesweiten Tag des offenen Denkmals, um die Kulturgeschichte des Ortes vorzustellen. Interessierte sehen unter anderem die Klosterkirche und das beeindruckende Treppenhaus nach Plänen von Balthasar Neumann.
Kloster – Fabrik – wieder Kloster
„Was mich fasziniert ist, dass man hier so viele unterschiedliche Aspekte unserer Kultur ablesen kann“, sagt Schwester Margit. Bis ins 12. Jahrhundert seien an dieser Stelle Felder gewesen. Im Jahr 1128 entstand im Auftrag des Ordensgründers der Prämonstratenser, des später heilig gesprochenen Norbert von Xanten, ein Doppelkloster für Frauen und Männer. Um 1230 teilte der damalige Würzburger Bischof Hermann I. von Lobdeburg vom Prämonstratenser-Männerkloster den Frauenkonvent Unterzell ab. Bis zur Säkularisation im Jahr 1803 war Oberzell das einzige Prämonstratenser-Kloster in Franken im Rang einer Abtei.
Koenig und Bauer übernimmt das Gelände
Die Abtei wurde 1803 im Zuge der Säkularisation aufgelöst. Danach kam die Industrialisierung mit dem Einzug der späteren Druckmaschinenfabrik Koenig & Bauer. Die Unternehmer-Familien seien fortschritlich gewesen und hätten bereits Sozialleistungen für ihre Arbeiter eingeführt.
Das jüngste Kapitel von Kloster Oberzell beginnt mit dem Verkauf an die 1854 von Antonia Werr gegründete Kongregation der heiligen Kindheit Jesu im Jahr 1901. Die Franziskanische Frauengemeinschaft baute die Kirche wieder auf und machte den Balthasar-Neumann-Bau im Jahr 1924 zu ihrem Mutterhaus.
Anmeldung direkt im Kloster Oberzell
Schwester Margit beginnt ihre Führungen immer am Eingangstor, dem vermutlich ältesten Teil der Anlage. Danach geht es zur Kirche und in die Sakristei. Die Darstellung des Pfingstereignisses dort bezeichnet die Oberzeller Schwester gerne als „erste Team-Sitzung der Kirche“. Das schmuckvolle Treppenhaus und das barocke Refektorium sind reich geschmückt mit Stuckarbeiten und Figuren aus der Werkstatt von Antonio Giuseppe Bossi.
Anmelden für die Führung am Tag des offenen Denkmals können sich Interessierte per E-Mail an kloster@oberzell.de oder telefonisch unter 0931 4601102.
Rund um den Tag des Offenen Denkmals
Der Tag des offenen Denkmals findet in diesem Jahr am Sonntag, 13. September, statt. Unter dem Motto „NetzWERKE: Denkmale & Infrastruktur“ öffnen tausende historische Bauwerke, Brücken, Kraftwerke und sonst oft verschlossene Orte in ganz Deutschland kostenlos ihre Türen, um Einblicke in Geschichte und Denkmalschutz zu geben. Für die bundesweite Eröffnungsfeier hat die Deutsche Stiftung Denkmalschutz heuer Bamberg ausgewählt. Laut der Stiftung ist der Tag des offenen Denkmals das „größte Kulturevent Deutschlands“ mit mehreren Millionen Besucherinnen und Besuchern. Wenn Sie in Ihrer Pfarrgemeinde Veranstaltungen mit kirchlichem Bezug planen, schicken Sie uns bitte bis Dienstag, 18. August, eine E-Mail an info@sobla.de. Im nächsten Heft bündeln wir dann weitere Ankündigungen aus dem Bistum.
Ralf Ruppert
